
Neuronale Funktion verstehen, erhalten und modulieren: Innovationen für die Hirngesundheit
Als „Motor für Innovationen in der Neuromedizin“ bezeichnete Kongress- und DGKN-Präsident Prof. Jan Rémi die Klinische Neurophysiologie, mit dem Kongress für Klinische Neurowissenschaften als „zentralem Treffpunkt für die Neuromedizin der Zukunft“. Unter dem Motto „Neuronale Funktion verstehen, erhalten und modulieren“ fand der DGKN26 vom 25. bis 27. Februar erstmals in Augsburg statt. Stadtnah im Grünen und gut erreichbar bildete das Kongresszentrum „Kongress am Park“ den Rahmen für den persönlichen Austausch der 1200 Fachleute aus Neurologie, Neurochirurgie, Psychiatrie, Psychologie, Medizintechnik, IT und Ingenieurwissenschaften. Das breite Programm umfasste die Hot Topics der Hirngesundheit, mit 33 wissenschaftlichen Symposien, 47 Fortbildungskursen sowie Vorträgen von 368 Referentinnen und Referenten, darunter viele international bekannte Expertinnen und Experten. Neu waren unter anderem ein um praxisnahe Fortbildungssymposien erweitertes wissenschaftliches Programm sowie Symposien, die gezielt den fachlichen Austausch von Nachwuchsforschenden und Habilitierten fördern.
„Mit seiner programmatischen Breite sowie konsequent translationalen und interdisziplinären Ausrichtung nimmt der DGKN-Kongress in der medizinischen Kongresslandschaft eine besondere Stellung ein. Er bildet die Brücke zwischen Klinik, Praxis und Forschung und trägt dazu bei, dass Patientinnen und Patienten von den sich schnell entwickelnden modernen Technologien profitieren.“

Moderne Technologien und neurophysiologische Verfahren prägen zunehmend Diagnostik und Therapieentscheidungen bei neurologischen Erkrankungen wie Epilepsien, Parkinson und Bewegungsstörungen, Demenzen, Schlaganfall, Multipler Sklerose und chronischen Schmerzsyndromen. Digitalisierung und KI beschleunigen die Entwicklung – der DGKN-Kongress bot in drei Tagen ein interdisziplinäres fachliches Update. Das Programm umfasste das gesamte Methoden-Spektrum der Klinischen Neurophysiologie – von klassischer Diagnostik mit EEG, EMG und funktioneller Bildgebung über invasive und nicht invasive Neuromodulation bis hin zu Brain-Mapping, KI-Anwendungen, Big Data und translationaler Forschung. Diskutiert wurde auch, wie „intelligent“ die Neuromedizin von morgen wird und wie Algorithmen Früherkennung, Therapie-Steuerung und Prävention beeinflussen.
Präsidentensymposium: Hirnfunktion und Epilepsie im Fokus
Im Präsidentensymposium mit internationalen Gästen stellte Kongress- und DGKN-Präsident Prof. Jan Rémi (München) heraus, wie die Epilepsieforschung zur Entschlüsselung grundlegender neurophysiologischer Mechanismen des menschlichen Gehirns beiträgt. PD Dr. Marian Galovic (Zürich, Schweiz) beleuchtete die Auswirkung der Epilepsie auf Gehirnstruktur und -funktion. Prof. Robrecht Raedt (Ghent, Belgien) zeigte, wie sich epileptische Hirnnetzwerke durch Neurostimulation modulieren lassen. Prof. Christoph Baumgartner (Wien, Österreich) präsentierte seine Erkenntnisse zu den Chancen und Grenzen KI-gestützter, automatischer EEG-Analyse.


Keynotes, Spotlights und neue Formate
Hochkarätige Keynote Lectures setzten Akzente zu Zukunftsthemen der Hirngesundheit. Diskutiert wurden unter anderem neuronale Hyperaktivität als möglicher „Missing Link“ zwischen Amyloid und Tau bei der Alzheimer-Krankheit (Dr. Nicolai Franzmeier, München), pathophysiologische Grundlagen und erste klinische Erfahrungen mit adaptiver Tiefer Hirnstimulation (Prof. Andrea Kühn, Berlin) sowie neue Einblicke in die Funktionen des Orexin-Systems über die Narkolepsie hinaus (Prof. Denis Burdakov, Zürich, Schweiz).
Spotlight Lectures nahmen praxisnahe Themen in den Blick, wie die Rolle der Neurosonologie in der Facharztweiterbildung, Low-Intensity Electrical Stimulation in Forschung und Therapie, die klinische Neurophysiologie in der neuromuskulären Spezialisierung sowie „The Good and the Bad of AI in Clinical Analytics“.
Neue Formate wie das „Rising Star Symposium“ für Nachwuchsforschende, ein Habilitiertensymposium, ein Video- und Diagnostikforum mit Videokasuistiken sowie ein „BrainHack“-Hackathon zur Integration großer Datensätze und moderner Analysemethoden in die neurowissenschaftliche Forschung unterstrichen den Innovationscharakter
Fortbildung, Interdisziplinarität und Nachwuchsförderung
Mit 47 zertifizierten Hands-on-Kursen zu EEG, Neurosonologie, Schlafmedizin, Neuromodulation und weiteren Verfahren rückte der Kongress die Qualifikation für die Neuromedizin von morgen in den Mittelpunkt. Die DGKN-Fortbildungsakademie adressierte alle Karrierestufen in Klinik und Praxis und half, die Dynamik von Digitalisierung, Big Data und Künstlicher Intelligenz in die Versorgung zu übertragen.
Joint Sessions mit der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE), der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) sowie der Organization for Human Brain Mapping (OHBM) machten die interdisziplinäre Verankerung der Klinischen Neurophysiologie sichtbar. Eigene Formate der „Jungen Klinischen Neurophysiologie“ stärkten gezielt die Sichtbarkeit und Vernetzung des Nachwuchses in Klinik und Forschung

Preise und Ehrungen: DGKN fördert junge Forschende
Den DGKN-Nachwuchsförderpreis für Klinische Neurowissenschaften durfte Pascal Grumbach vom LVR-Klinikum Düsseldorf und Forschungszentrum Jülich für seine Forschungsarbeit entgegennehmen, die neue Einblicke in die neurophysiologische Grundlage von Autismus liefert. Dr. med. Katharina Kneer, Assistenzärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Universitätsklinikum Tübingen, erhielt den DGKN-Nachwuchsförderpreis für Klinische Neurosonologie, in der sie Nervenultraschall zur Differenzialdiagnose einsetzt. Den DGKN-Fortbildungspreis nahm Prof. Uwe Walter (Rostock) entgegen. Ehrenmitglieder der DGKN wurden Prof. Soheyl Noachtar (München) und Prof. Christian Bischoff (München). Prof. Christoph Baumgartner, Ordinarius für Epileptologie und Klinische Neurophysiologie an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien, wurde zum korrespondierenden Mitglied gewählt.


Hirngesundheit in Öffentlichkeit und Medien
Mit einer öffentlichen Abendvorlesung zu Umwelteinflüssen auf das Risiko für Schlaganfall, Parkinson und psychiatrische Erkrankungen öffnete sich der Kongress für die interessierte Öffentlichkeit und betonte den präventiven Ansatz der modernen Neuromedizin. Ergänzt wurde dies durch eine Online-Pressekonferenz mit mehr als 30 teilnehmenden Journalistinnen und Journalisten der Fach- und Publikumsmedien zu den aktuellen Themen und Forschungsergebnissen.
Impulse für die Neuromedizin von morgen
Der Kongress für Klinische Neurowissenschaften 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, wie moderne diagnostische und therapeutische Verfahren der Klinischen Neurophysiologie die Neuromedizin prägen und verändern. Technologische Fortschritte, Künstliche Intelligenz, Big Data und personalisierte Therapieansätze erfordern auch in Zukunft eine dynamische interdisziplinäre Zusammenarbeit, um Innovationen schnell in die klinische Praxis zu überführen. Die DGKN hat mit dem Kongress in Augsburg erneut wichtige Impulse gesetzt – für eine vernetzte, intelligente und patientenzentrierte Neuromedizin von morgen.
To be continued
… auf dem DGKN27 vom 17. bis 19. März in Augsburg, mit DGKN- und Kongresspräsident Prof. Rainer Surges (Bonn) unter dem Motto „Smarte Technologien machen mobil“.
Kongresspräsident 2026
Prof. Dr. Jan Rémi
DGKN-Präsident 2025/26, stellvertretender Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik am LMU Klinikum München
Kongresssekretärin 2026
Dr. habil. Catrin Mann,
Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Frankfurt am Main
Kongressorganisation
DGN Service GmbH
DGKN-Pressestelle
albertZWEI media GmbH, Sandra Wilcken
Kongresswebsite
kongress.dgkn.de



