Das DGKN-Stipendium Neuropädiatrie
Mit dem Stipendium fördert die DGKN e.V. den Erwerb und Ausbau neurophysiologischer Kompetenzen in der Pädiatrie. Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten die Möglichkeit, für die Dauer von zwei Monaten in einem neurophysiologischen Labor ihrer Wahl zu arbeiten. Die DGKN e.V. übernimmt während der Rotation die (Teil-)Finanzierung der Stelle an der Heimatinstitution.
Die Stipendiaten des DGKN-Stipendiums Neuropädiatrie
Bericht über das DGKN-Stipendium für Neuropädiater und Neuropädiaterinnen
Mein Stipendium verteilte sich auf zwei Einheiten, die ich an zwei Einrichtungen, 2025 im Klinikum Darmstadt und 2026 im Uniklinikum Gießen durchführen konnte. Ich begann in Darmstadt unter der 1:1 Anleitung und Supervision von Herrn Michael Schmidt, MTA-F der Neurophysiologie. Wir kannten uns bereits vom Darmstädter Neurophysiologie-Kurs und Herr Schmidt hatte mir schon zwischenzeitlich mit Rat und Informationen zur Seite gestanden. Es ging direkt los mit ambulanten und stationären Patientinnen und Patienten, die aus der neurologischen Ambulanz und den Stationen des Darmstädter Klinikums in die Neurophysiologie kamen. Täglich wurden zahlreiche Neurografien, zahlreiche SEP sowie wöchentlich mehrere MEP, VEP und Serienstimulationen abgeleitet. Bereits nach wenigen Tagen wurde die Abteilung zur Ableitung mehrerer prognostischer SEP auf Intensivstation nach Subarachnoidalblutungen gerufen. Auch hier konnte ich Herrn Schmidt begleiten und wurde angeleitet. Auf Intensivstation wurde auch Critical Illness Neuropathie-Diagnostik durchgeführt. Nach einer Woche konnte ich damit beginnen selbstständig abzuleiten. In Darmstadt hatte ich die Gelegenheit, täglich mehrere SEP der oberen und unteren Extremitäten abzuleiten. Auch leitete ich einige Neurografien an der oberen Extremität, vor allem des N. medianus und N. ulnaris, aber auch häufiger des N. radialis, an der unteren Extremität des N. peroneus, N. tibialis und N. suralis ab. Regelhaft wurde dabei auch über und unter dem Sulcus ulnaris abgeleitet. Gegen Ende meiner Zeit in Darmstadt kamen gehäuft Patientinnen mit Facialisparese, sodass ich mehrere Facialis-SEP ableiten konnte. Ich hatte auch Einblick in die Nystagmografie, die mehrmals wöchentlich stattfand. Mit Herrn Schmidt konnte ich Befunde besprechen und er beantwortete viele theoretische Fragen. Herr Dr. Aroyo stand für Fragen zur Befundung zur Verfügung. Das Patienten- und Patientinnenspektrum war ähnlich dem unten beschriebenen aus Gießen.
Mit diesen Voraussetzungen konnte ich in Gießen den zweiten Teil meines Stipendiums gut gewappnet beginnen. (In der Zwischenzeit hatte ich während meines Urlaubs noch ein Praktikum in der Neurophysiologie bei Herrn Dr. Broser in St. Gallen gemacht, das zusätzliches Wissen brachte. Ich berichtete in der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift.) In Gießen fanden vor allem täglich Neurografien statt. Die Anzahl der Ableitungen war insgesamt geringer als in Darmstadt, dafür gab es viel Raum zur Besprechung der Indikation, sowie zur Befundung und zu differentialdiagnostischen Möglichkeiten, was eine sehr bereichernde Ergänzung war.
Die Neurografien der ambulanten und von den Stationen geschickten Patientinnen und Patienten, erfolgten zur (Differential-) Diagnostik und Verlaufskontrolle bei MS, Myasthenia gravis, ALS, Parkinson, Myelopathien, traumatisch und bei Spinalkanalstenose, sowie bei traumatischen und entzündlichen peripheren Nervenläsionen (Schnittverletzungen, postoperative Läsionen, Lagerungsverletzungen, CIDP, Guillain-Barrée, diabetischen und alkoholischen Neuropathien, Critical Illness Neuropathien, hereditäre Neuropathien und Radikulitiden).
Das gesamte ärztliche Team der Neurophysiologie empfing mich herzlich und ließ mich nach wenigen Tagen die motorischen und sensiblen Neurografien eigenständig durchführen und stand für Rückfragen und Hilfestellung bereit. Hierdurch hatte ich Gelegenheit, meine praktischen Fertigkeiten zu vertiefen. Die Befundungen erfolgten zusammen mit dem neurophysiologischen ärztlichen Team, in nachmittäglichen Sitzungen mit Herrn PD Dr. Steffen Pfeuffer, der geduldig für viele Fragen bereitstand. Während dieser nachmittäglichen Sitzungen fand auch die Besprechung der evozierten Potenziale (vor allem SEP und VEP), statt. Besonderen Spaß machte mir gegen Ende der Stipendiumszeit, dass ich einigen Studierenden und PJlern des neurophysiologischen Kurses die Ableitungen praktisch zeigen und erklären konnte, somit war das “See one, do one, teach one” erreicht.
Herr Dr. Ebert, der die neurologischen Konsile der Klinik durchführte, nahm sich zudem viel Zeit mir den peripheren Nervenultraschall beizubringen und mich im EMG anzuleiten. Ich begleitete ihn zu den Konsilen im Haus, wo wir einige Neurografien mit dem mobilen Gerät ableiteten, z.B. auf peripheren chirurgischen Stationen nach traumatischen Nervenläsionen. Hierbei konnte ich von der Anamneseerhebung, der klinischen Untersuchung bis zur Indikationsstellung und Umsetzung der neurophysiologischen Diagnostik jeden Schritt durchführen und mit Dr. Ebert diskutieren. Teilweise fand die Untersuchung in schwierigem artefaktreichen Setting statt, sodass ich hier einiges zur Artefaktabschirmung dazulernte. Die Befundung erfolgte zusammen mit Dr. Ebert, der mich an allen gedanklichen (differential-)diagnostischen Schritten teilhaben ließ. In der zweiten Woche nach exzellenter Anleitung durch Dr. Ebert konnte ich mehrere EMG, insbesondere zur ALS-Diagnostik und Myotonie-Diagnostik, selbstständig unter seiner Supervision durchführen.
Mit dem Stipendium konnte ich die mir gesetzten Ziele erfüllen, es traf meine Erwartungen voll. Im pädiatrischen Setting hätte ich keine Gelegenheit für das praktische Erlernen und Üben der Diagnostik mit solch hohen Fallzahlen gehabt.
Ich bedanke mich sehr herzlich bei Frau Ballauf von der DGKN, die mich bei allen administrativen Widrigkeiten konsequent und überragend freundlich unterstützt hat. Mein Dank gilt natürlich den aufnehmenden Einrichtungen, hier insbesondere Herrn Dr. med. univ. Ilia Aroyo, Oberarzt der Neurologie Darmstadt, der mir die Möglichkeit gegeben hat, in Darmstadt zu hospitieren. Ich danke Herrn Michael Schmidt, MTA-F der neurophysiologischen Funktionsdiagnostik in Darmstadt, für die gewissenhafte Ausbildung, der sich viel Zeit genommen und dem kein Stromimpuls zu viel war, damit ich in Ruhe unter seiner Anleitung wirklich - jede - Untersuchung bei ihm persönlich durchführen konnte, bevor ich sie an den Patientinnen und Patienten angewandt habe. Nicht zuletzt danke ich Herrn Schmidt für seinen trockenen Humor und damit für die Anleitung, wie Patientinnen und Patienten selbst bei schmerzhaften Untersuchungen zum Lachen gebracht werden können.
Außerdem bedanke ich mich herzlich beim gesamten ärztlichen Team der Neurophysiologie der Uniklinik Gießen, insbesondere bei Frau Professor Heidrun Krämer-Best, kommissarische Direktorin der Klinik für Neurologie und Leitung Schwerpunktbereich für Neurophysiologie und Neuromuskuläre Erkrankungen, für die kurzfristige Regelung aller Formalitäten. Herrn Dr. Dominik Ebert danke ich für das herausragende persönliche Lehrprogramm in Nervenleitung und EMG. Dr. Julia Bespalowa, Dr. Julius Runzheimer und Dr. Francesca Culaj danke ich für die praktischen Tipps bei der Durchführung, Herrn PD Dr. Steffen Pfeuffer, Oberarzt der Neurologie, für die Beantwortung vieler Fragen bei der Befundung. Dem gesamten Team danke ich für die herzliche Aufnahme und den Humor im kleinen Befundungszimmerchen, der mich noch manchmal zum Schmunzeln bringt. Zudem gilt mein herzlicher Dank PD Dr. Heike Philippi, Soyoung Kim und Dr. Heike Will, der Leitung des SPZ Frankfurt Mitte für die Unterstützung dieses Stipendiums sowie der Personalabteilung und Geschäftsführung des vae, insbesondere Frau Blüm und Frau Nowak.
Dr. med. Ellen Talmon l'Armée
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
SPZ Frankfurt Mitte

