Neuromodulation: 10 Millionen für ein Verbundprojekt mit neurophysiologischem Schwerpunkt

10 Millionen Euro in vier Jahren hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft 2020 einem neuen Sonderforschungsbereich SFB/Transregio (Berlin/Würzburg) zugesprochen – ein außergewöhnlich hohes Budget für ein überwiegend interventionelles neurophysiologisches Forschungsprojekt. Ziel ist die Entwicklung von Behandlungen motorischer Netzwerkstörung mittels Neuromodulation.

Retune
Andrea Kühn
Prof. Dr. med. Andrea Kühn, Berlin, Sprecherin des SFB/Transregio Retune © Universitätsmedizin Charité
Jens Volkmann
Prof. Dr. med. Jens Volkmann, Partner von Retune in Würzburg und Mitglied des Präsidiums der DGKN © Würzburg Neuroscience
Retune
© Retune/A. Kühn

„Unsere Vision ist es, Neuromodulationsverfahren für die klinische Praxis zu entwickeln, die netzwerkspezifisch ansetzen, um komplexe klinische Syndrome behandeln zu können“, sagt Prof. Dr. med. Andrea Kühn, Sprecherin des Verbunds und Leiterin der Sektion Bewegungsstörungen und Neuromodulation an der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité. „Dazu wollen wir mit minimaler Invasivität an spezifischen Knotenpunkten des Netzwerks im Gehirn angreifen, um die pathologisch veränderte Hirnaktivität selektiv zu unterdrücken.“ Dies soll die Krankheitssymptome lindern und damit die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern.

Bedarfsorientierte Schrittmachersysteme im Nervensystem

Ein Schwerpunkt der geplanten Forschung ist die Entwicklung bedarfsgesteuerter Schrittmachersysteme, die nur beim Auftreten von Krankheitssymptomen aktiv werden. Hierfür sollen die charakteristischen Hirnsignale – bei normalen und krankhaft veränderten Bewegungsabläufen – entschlüsselt und gezielt beeinflusst werden. Darüber hinaus werden grundlegende Mechanismen der Hirnstimulation an Modellsystemen für Bewegungsstörungen untersucht. Diese klinischen und experimentellen Befunde sollen dann in Computermodelle einfließen, um zukünftig individuell optimierte Stimulationsalgorithmen vorhersagen zu können.

Die Forschungsarbeiten werden zu einem besseren Verständnis der komplexen Symptome verschiedener Bewegungsstörungen beitragen und helfen, spezifische Behandlungsansätze zu entwickeln. „Die koordinierte Zusammenarbeit von international ausgewiesenen Grundlagenwissenschaftlern, Experten für digitale Medizin und Klinikern – mit dem Ziel einer raschen Translation von Forschungsergebnissen in verbesserte Behandlungsmöglichkeiten – macht diese Verbundinitiative weltweit einmalig“, erklärt Prof. Dr. med. Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Würzburg und Mitinitiator des SFB/Transregio. Diese Forschungsarbeiten sollen in einem interdisziplinären Team aus Medizinern, Neurowissenschaftlern und Grundlagenforschern in Berlin und Würzburg gemeinsam mit weiteren externen Partnern in den nächsten Jahren umgesetzt werden.

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Andrea Kühn
Prof. Dr. Andrea Kühn, Berlin, Sprecherin des SFB/Transregio Retune © Universitätsmedizin Charité
Jens Volkmann
Prof. Dr. Jens Volkmann, Partner von Retune in Würzburg und Mitglied des Präsidiums der DGKN © Würzburg Neuroscience

Quellen: Charité Universitätsmedizin, A. Kühn