60. Jahrestagung der DGKN 2016: Entwicklungen und Perspektiven

Professor Dr. med. Alfons Schnitzler
Tagungspräsident der 60. Jahrestagung der DGKN, Präsident der DGKN, Klinik für Neurologie, Zentrum für Bewegungsstörungen und Neuromodulation, Institut für Klinische Neurowissenschaften und Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Düsseldorf


Dr. med. Lars Wojtecki
Tagungssekretär der DGKN 2016, Klinik für Neurologie, Zentrum für Bewegungsstörungen und Neuromodulation, Institut für Klinische Neurowissenschaften und Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Düsseldorf

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Die diesjährige Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) mit Fortbildungsakademie des Richard-Jung-Kollegs (RJK) fand vom 16. bis 19. März 2016 auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf statt. Die Landhauptstadt Nordrhein-Westfalens und pulsierende Rheinmetropole zeigte sich für die 60. Jahrestagung, die gleichzeitig das 65-jährige Bestehen der DGKN markierte, mit den ersten Sonnenstunden des Frühlings von ihrem besten Gesicht. So bot der neu renovierte Hörsaaltrakt für die 1778 registrierten Kongressteilnehmer nicht nur räumlich und technisch gute Voraussetzungen mit kurzen Wegen, sondern auch ein integriertes Forum des akademischen Austausches auf den Innen- und Außenplätzen der Cafeteria der Heinrich-Heine Universität.

Das wissenschaftliche Programm der Tagung umfasste aktuelle Entwicklungen und Fortschritteder klinischen Neurophysiologie und funktionellen Bildgebung der letzten Jahre. Mit den Kernthemen Neuromodulation, Neurobildgebung und zentrale Bewegungsstörungen wurden unter anderem die spannenden Entwicklungen im Bereich der interventionellen und therapeutischen Neurophysiologie beleuchtet. Die neuesten Fortschritte auf dem Gebiet der Tiefen Hirnstimulation wurden zudem auf der II. International Conference on Deep Brain Stimulation (DBS), die vom 15. bis 16. März verzahnt mit der DGKN Jahrestagung am selben Ort stattfand, von mehr als 400 nationalen und internationalen Experten diskutiert. Bereits vor Beginn des DGKN-Kongresses luden die Veranstalter interessierte Laien zu einer Public Lecture ins Haus der Universität ein. Das von der Stiftung van Meeteren erworbene repräsentative Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert liegt im Herzen der Düsseldorfer Innenstadt - ganz in der Nähe des neu errichteten Kö-Bogens. Die Universität nutzt es als zentrales Informations- und Veranstaltungszentrum für den Austausch mit der Bevölkerung an diesem architektonisch und städteplanerisch interessanten Ort. Prof. Niels Birbaumer aus Tübingen faszinierte hier mit seinem Vortrag "Mit Gedankenkraft die Welt bewegen - wie Gehirn-Computer-Schnittstellen Patienten Bewegung und Kommunikation ermöglichen" die Zuhörer, indem er von medizinischen Indikationen und neurophysiologischen Möglichkeiten der Brain-Computer-Interfaces (BCI) den Blick auf philosophische und auch gesellschaftspolitische Implikationen warf. Die Einführung einer solchen Public Lecture darf als ein Erfolg gewertet werden im Ansinnen, interessierten Laien Inhalte und Themen der Klinischen Neurophysiologie zu vermitteln.

Entsprechend der inhaltlichen Schwerpunkte der DGKN Jahrestagung und der International Conference on Deep Brain Stimulation fand im Übergang beider Veranstaltungen die Special Joint DBS-DGKN Lecture von Prof. Andres Lozano (Toronto, CA) statt. Als ausgewiesener Experte und Pionier vieler neuer Indikationen der Tiefen Hirnstimulation wagte er einen Blick in die Zukunft mit seinem Vortrag "The future of neuromodulation". Thematisch verwandt hielt Peter Brown aus Oxford (GB) im Rahmen des ersten Präsidentensymposiums die neu eingerichtete Hermann-von-Helmholtz Lecture mit dem Titel "Adaptive Neuromodulation for movement disorders". Prof. Brown ist Pionier im Bereich der Analyse oszillatorischer Aktivität der Basalganglien und zeigte deren Anwendbarkeit für die zukünftige Nutzung einer Closed loop stimulation auf. Ebenso wie Prof. Brown wurde Prof. Riitta Hari (Helsinki, FI) im Rahmen eines Präsidentensymposiums die korrespondierende Mitgliedschaft der DGKN verliehen. In der neu eingerichteten Hans-Berger Lecture, die den Titel "Brain imaging of social interaction" trug, zeigte Riitta Hari die faszinierenden neuen Ansätze einer "two-person neuoscience" zur Untersuchung zerebraler Mechanismen des menschlichen Sozialverhaltens mittels EEG, MEG und funktioneller MR-Bildgebung auf.

Der Niels-A.-Lassen-Preis, der für eine hervorragende international hochrangig publizierte Arbeit zur klinischen Neurophysiologie mit den Methoden der funktionellen Bildgebung verliehen wird, ging diesmal an Dr. Katrin Charlet (Berlin) und Dr. Benjamin Clemens (Aachen). Die Preisverleihung wurde gekrönt durch die Richard-Jung Lecture von Prof. Rainer Goebel aus Maastricht (NL): "Von der Grundlagenforschung zu therapeutischen Echtzeitanwendungen der funktionellen MRT". Prof. Goebel illustrierte eindrucksvoll die zunehmende Genauigkeit, mit der die Inhalte neuronaler Informationsverarbeitung im Gehirn "abgelesen" und für Neurofeedback und Brain-Computer-Interfaces (BCI) nutzbar gemacht werden können. Die Richard-Jung Lecture ergab somit zusammen mit der Public lecture von Prof. Birbaumer am Beispiel BCI einen repräsentativen Rahmen für das dynamische Feld der klinischen Neurophysiologie und funktionellen Bildgebung - für Laien und für Fachpublikum.

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Dem 65. Geburtstag der DGKN Rechnung tragend fand vor der Mitgliederversammlung und dem Gesellschaftsabend ein Perspektivensymposium statt, in dem in Form von Impulsvorträgen und anschließender Podiumsdiskussion bisherige Entwicklungen und künftige Perspektiven der DGKN diskutiert wurden. Die Themen der pointiert präsentierten Impulsvorträge spannten einen weiten Bogen zwischen Klinik, Forschung und Ausbildung bis zur Wissenschaftspolitik: Entsprechend lebhaft und kontrovers wurde im Anschluss an die Impulsvorträge diskutiert. Als Resumee kann festgehalten werden, dass einhergehend mit dem rasanten Fortschritt in der Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Methoden, die DGKN eine enorme Entwicklung genommen hat, die auch für die Zukunft weitreichende Perspektiven eröffnet. Prof. Heinze (Magdeburg), Vorsitzender des Medizinausschusses im Wissenschaftsrat, legte in seinen visionären wissenschaftspolitischen Ausführungen dar, dass die DGKN dazu prädestiniert sei, neben der Förderung der Forschung und der qualitativen Sicherstellung von Weiterbildungs- und Versorgungsstrukturen als akademische "Konzeptgesellschaft" im Rahmen von integrativer Systemperspektive und transdisziplinärem Dialog künftig einen umfassenderen gesellschaftlichen Auftrag an der Schnittstelle zwischen Wissenschafts- und Gesundheitssystem zu erfüllen. Als eines von mehreren Beispielen nannte er die Entwicklung neurowissenschaftlich begründeter Rahmensetzungen zu körperlichen und geistigen Fähigkeiten einer alternden Gesellschaft.

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Am Abend bot der Gesellschaftsabend Entspannung und weitere wissenschaftliche Preisverleihungen. Im ausgebuchten Schlösser Quartier Boheme in der legendären Ratinger Straße im Herzen der Düsseldorfer Altstadt setzte das vielfach preisgekrönte Multiphonic Saxophonquartett den musikalischen Rahmen für die Verleihung des Hans-Berger-Preises der DGKN an Prof. Hans-Jochen Heinze (Magdeburg) und Prof. Walter Paulus (Göttingen) sowie der DGKN-Ehrenmitgliedschaft der DGKN an Prof. Hans-Joachim Freund (Ratingen). Die Preise der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. wurden ebenfalls in diesem festlichen Rahmen verliehen. Dr. Marina Dusler (München) erhielt den Juniorpreis, der Felix-Jerusalem-Preis ging an Dr. Kathrin Doppler (Würzburg), Prof. Dr. Stephan Kröger (München) und Dr. Tobias Ruck (Münster).

Bevor der Abend an der Bar unter oszillierenden Schallwellen eines erfahrenen DJs ausklang, wurde der Nachwuchs für hervorragende wissenschaftliche Beiträge ausgezeichnet. Eine Vielzahl von Posterpräsentationen wurde von den Reviewern mit sehr gut benotet, so dass die Jury letztlich die Qual der Wahl hatte: Die DGKN Posterpreise gingen an Nathanael Klimm (Tübingen/Hamburg), Klaus Funke (Bochum) und Andreas Zwergal (München), sowie der Faculty 1000 Posterpreis an Thomas Baumgarten (Düsseldorf).

Den wissenschaftlichen Nachwuchs im Fokus, erfolgte die Präsentation der 276 Posterbeiträge auf beiden Tagungen in diesem Jahr in neuen Formaten, welche sehr gut angenommen wurden. Die geführten Postersitzungen fanden an digitalen Poster-Screens statt, die neben Poster-Desktops zum Eigenstudium den gesamten Kongress über zugängig waren und eine Versendung der Poster-PDF per email ermöglichten. Im Vorfeld durch das Reviewer-Board als besonders gut bewertete Abstracts konnten ferner in diesem Jahr nicht nur als Freie Vorträge, sondern auch als kurze E-Postervorträge im Plenum vorgetragen werden.

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Ferner war die Anmeldung hochwertiger wissenschaftlicher Symposien so zahlreich, dass an allen drei Tagen fünf wissenschaftliche Parallelsitzungen (statt bisher vier) stattfanden. In diesem Jahr war auch wieder die Tom Wahlig Stiftung mit einem Ganztagssymposium zu Gast. Die Deutsche Gesellschaft für Liquordiagnostik e.V., und der Fachverband Technischer Assistenten e.V. rahmten das Programm ein. Zehn Industriesymposien und die Industrieausstellung lieferten zusätzlich zur Förderung durch die DFG und die Stiftung für medizinische Wissenschaft die Finanzierungsgrundlage des Kongresses sowie auch reichlich technisches Anschauungsmaterial.

Mit der Kongressteilnahnme nutzten auch wieder viele Kollegen die Chance, sich zu Themen der klinischen Neurophysiologie und funktionellen Bildgebung weiterzubilden. Für sie hatte das Richard-Jung-Kolleg (RJK) unter Federführung von Prof. Buchner wieder ein attraktives und umfangreiches Fortbildungsprogramm zusammengestellt.

Die Schwerpunktthemen der Tagung fanden ein reiches Echo in den Printmedien, Funk, Fernsehen und Internet und spiegelten somit das bereits zum Auftakt in der Public lecture zu beobachtende rege Interesse der Bevölkerung an der "Hirn- und Neuroforschung" und ihrer klinischen Anwendung wider, für die die DGKN Jahrestagung neben ihrem fachlichen und edukativen Charakter nicht zuletzt als Botschafter fungiert.
Die nächste Jahrestagung der DGKN findet vom 21.-23. März 2017 in Leipzig unter der Leitung von Prof. Hegerl statt.

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